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10 Jahre DocStop: „Kampf gegen die Windmühlen“ ist längst Vergangenheit

Seit nunmehr 10 Jahren hat sich die Initiative DocStop der Verbesserung der medizinischen Unterwegsversorgung von Berufskraftfahrerinnen und -fahrern verschrieben. Initiator Rainer Bernickel und seine Mitstreiter haben in dieser Zeit eine Menge erreicht: Mehr als 4000 Bus- und Lkw-Fahrer nutzen jährlich das DocStop-Ärztenetzwerk und lassen sich bei gesundheitlichen Beschwerden unterwegs von einem der mehr als 700 DocStop-Mediziner behandeln. Auch in Dänemark und Österreich gibt schon DocStop-Organisationen.

Foto (von links): DocStop-Initiator Rainer Bernickel und der Vereinsvorsitzende Joachim Fehrenkötter sind unermüdlich im Einsatz, um die medizinische Unterwegsversorgung von Bus- und Lkw-Fahrern europaweit zu verbessern.

Ladbergen, 09. Oktober 2017. Jederzeit ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen zu können, ist für Berufskraftfahrerinnen und -fahrer noch immer keine Selbstverständlichkeit. Denn wer, wie diese Berufsgruppe, Tag für Tag unterwegs ist und oft von einem Verladeort zum anderen eilt, hat es mitunter sehr schwer, bei akuten gesundheitlichen Problemen schnell und unkomplizierte Hilfe zu finden. „Vieles ist Dank der tatkräftigen Unterstützung unserer Förderer inzwischen sehr, sehr viel besser geworden“, resümiert DocStop-Initiator Rainer Bernickel zum zehnjährigen Bestehen der Initiative. „Allein im letzten Jahr haben wir in über 4.000 Fällen geholfen. Bis unser medizinisches Netzwerk aber tatsächlich europaweit alle Lücken schließt und dazu beiträgt, dass sich Lkw-Fahrerinnen und –fahrer quasi vom Arbeitsplatz Lkw direkt zu einem Arzt begeben können, ist es aber noch ein weiter Weg.“ Primäres Ziel ist es nach Angaben des Vorsitzenden Joachim Fehrenkötter, DocStop in Deutschland und in den angrenzenden europäischen Ländern in Kooperation mit anderen Partnern zu einem führenden Leitbegriff für die medizinische Unterwegsversorgung zu machen.

Niemand ist diesem Thema so intensiv verbunden wie der 70-jährige Polizeihauptkommissar Rainer Bernickel, der für seine Verdienste inzwischen sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. „Am Anfang war es wirklich ein Kampf gegen die Windmühlen. Oft wurden wir belächelt und unser Ansinnen als aussichtslos beurteilt“, erinnert sich der engagierte Münsteraner. Doch Bernickel wusste aufgrund seiner beruflichen Erfahrungen als Beamter der Autobahnpolizei genau, worum es geht: „Da ist man als Lkw-Fahrer unterwegs und merkt plötzlich, dass man vor akuten Schmerzen nicht mehr ein noch aus weiß. Man kann aber nicht einfach alles stehen und liegen lassen: Was wird mit den festgesetzten Terminen? Wohin mit dem Lkw? Was wird mit der Ware? Und vor allem: Wo ist der nächste Arzt? Im Zweifelsfall weiß man also wirklich nicht, was man machen soll und setzt seine Fahrt einfach fort. Das aber bedeutet letztlich ein erhebliches Risiko für den Lkw-Fahrer selbst und auch für den Straßenverkehr!“

Bernickel ist und war immer ein Mann der Praxis. Und während erst in den letzten Jahren Informationen über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Lkw-Fahrern langsam in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangten, wusste er schon immer genau, worum es geht. „Jeder von uns ist hinsichtlich der Versorgung irgendwie abhängig von dem, was das Transportgewerbe leistet. Leider haben sich aber nur die wenigsten wirklich dafür interessiert. Für Lkw-Fahrer eine Lobby zu finden, ist immer schwer“. Von Anfang an fand Bernickel vor allem in den Autohöfen entlang des deutschen Straßennetzes tatkräftige Unterstützer. „Sie bildeten vom ersten Tag an so etwas wie das Rückgrat unserer Initiative und sie sind es auch noch heute“, berichtet er. So erklärten sich als erste viele Pächter von Rastanlagen nicht nur spontan dazu bereit, in Problemfällen ärztliche Hilfe zu organisieren, sondern übernahmen sogar den Transfer der Fahrer zur nächstgelegenen Praxis oder Klinik. Immer nach dem Grundsatz: Hilfe, so schnell es geht. Aus Bernickels Idee ist inzwischen eine schlagkräftige Organisation geworden. Über 700 Ärzte, Kliniken sowie Raststätten, Autohöfe und Speditionen gelten heute als feste Anlaufpunkte für die medizinische Unterwegsversorgung von Berufskraftfahrerinnen- und fahrern. Eine überaus stolze Bilanz.

Dass ausgerechnet mit Joachim Fehrenkötter, Geschäftsführer der gleichnamigen Transport und Logistik GmbH im münsterländischen Ladbergen, ein Spediteur vor einigen Jahren den Vorsitz der als gemeinnützig anerkannten DocStop-Initiative übernommen hat, ist zweifelsohne ein Glücksfall für die Organisation. Sein ausgezeichnetes Netzwerk trägt dazu bei, DocStop und die Notwendigkeit der unkomplizierten und schnellen medizinischen Unterwegsversorgung von Lkw-Fahrerinnen und –fahrern noch breiter zu positionieren. So ist DocStop deutschlandweit inzwischen nicht nur innerhalb des Speditionsgewerbes längst ein fester Begriff. Auch die Hersteller von Lkw, Aufliegern und Zubehörteilen wissen um die wirkungsvolle Hilfe des Vereins und unterstützen diesen tatkräftig mit Geld- und Sachspenden. „So ist es DocStop tatsächlich gelungen, die Wertschätzung für die Arbeit von Fahrerinnen und Fahrern nachhaltig zu verbessern. Gleichzeitig bedeutet das auch eine spürbare Anerkennung für die gesamte Transportbranche“, schlussfolgert Joachim Fehrenkötter. Und das ist längst noch nicht alles, denn mit DocStop macht die Idee, dass Lkw-Fahrer unterwegs so etwas wie medizinische „Kümmerer“ brauchen, inzwischen europaweit Schule.

Wie viele Menschenleben in den letzten Jahren Dank DocStop vielleicht schon gerettet wurden, ist nur schwer zu sagen. Rainer Bernickel und Joachim Fehrenkötter berichten jedenfalls über unzählige Begegnungen mit Fahrern, die zugeben, dass Dank der medizinischen Hilfe ein Unfall oder vielleicht sogar noch Schlimmeres verhindert wurde. Wer Hilfe benötigt, findet einen Arzt und einen passenden Lkw-Parkplatz in der Nähe durch die Standortsuche in einer entsprechenden Smartphone-App oder auf der Vereins-Homepage oder aber mit einem Anruf bei einer bundesweit geschalteten Hotline, die die Daten des nächstgelegenen Arztes vermittelt. Häufig, und das liegt in der Natur der Sache, verliert sich aber nach einem Arzt- oder Klinikbesuch dann auch der Kontakt zu den Betroffenen. An eine geradezu schicksalhafte Begegnung kann sich Rainer Bernickel jedoch noch gut erinnern: „Einmal hat mir ein Fahrer persönlich gesagt: Ohne Euch würde ich heute nicht mehr leben! Und das alleine ist schon Grund genug, weiterzumachen.“ Hunderte von Informationsveranstaltungen stehen jährlich auf dem Terminkalender. Das DocStop-Team besucht sie alle. Aus Leidenschaft und aus echter Überzeugung. War anfangs nur Rainer Bernickel bekannt „wie ein bunter Hund“, so ist es inzwischen längst die gesamte DocStop-Initiative.

Dass es über die Grenzen Deutschlands hinaus nicht immer einfach ist, die DocStop-Idee voranzutreiben, ist verständlich. Doch die Initiatoren lassen nichts unversucht und besuchen Termine und Trucker-Treffen in ganz Europa. Und der Erfolg kann sich mehr als sehen lassen. Nur zwei Beispiele: In Dänemark wurde längst eine eigene Service-Hotline eingerichtet, unter der Fahrer Hilfe rund um die Uhr erreichen können, um Infos zu einem Arzt in der Nähe zu erhalten. Und in Österreich hat DocStop mit der Organisation Service 24 Notdienst GmbH ebenfalls einen zuverlässigen Partner gefunden.

„Bei all unseren Bestrebungen, auch in anderen europäischen Ländern zu wachsen, steht aber immer der ehrenamtliche Gedanke im Mittelpunkt. Auch geht es uns darum, dass die Fahrerinnen und Fahrer den Service kostenlos nutzen können“, argumentieren Rainer Bernickel und Joachim Fehrenkötter. Für die Zukunft haben sich die beiden viel vorgenommen: „Wir wollen, dass diese Idee langfristig den Stellenwert erhält, den sie auch verdient. Und das bedeutet: Unterwegs schnelle Hilfe für Fahrerinnen und Fahrer, die sonst niemanden haben, der sich um sie kümmert“.

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